Falsche Entscheidungen

Karl-Heinz Volck – Der Senat legt 2003 den Grundstein Play

2003 hat der Senat beschlossen die Förderung auslaufen zu lassen, hat aber versäumt, gleichzeitig Regelungen zu treffen, dass nicht die volle Wucht der Mieterhöhung die Mieter treffen. Er hätte gleich beispielsweise sagen können: Ja, wir lassen die Mietförderung auslaufen, ABER gleichzeitig wird für die Wohnungen, die bisher Mietförderung hatten, der Mietspiegel gelten. Dann hätten wir ein Niveau, dass vielleicht bei 8€ liegen würde, und nicht bei 12! Hat er nicht gemacht! Hat er vergessen, oder was weiß ich. Und damit fing es 2003 hier bei uns an ernst zu werden.

 

Was erwarten Sie, was aus den Wohnungen gemacht wird?

 

Joachim Konieczny – Hilfe, die Touris kommen! Play

Also, in der Versammlung vom 19.06. War die Frage: Was passiert mit den Wohnungen, die jetzt frei werden? Da sagte er: Wir sind jetzt daran interessier, dass die, die jetzt von alleine frei werden, die werden wir jetzt, vom Gedanken her, umwandeln in Ferienwohnungen. Zustimmung von Frau Mienert. Also, dass ist jetzt unser Gedanke, dass wir die Wohnungen nicht mehr belegen mit “normalen Mietern”, so wie Sie, sondern umwandeln in Ferienwohnungen, und uns damit gute Mieten erhoffen. Und als er das dann zu uns sagte, habe ich mich dann gemeldet und sagte: Entschuldigen Sie bitte? Wissen Sie nicht, wo Sie sich hier befinden? Gucken Sie doch mal in diese Runde! Es sind alles alte Leute. Viele alte Leute, überwiegend auch gesundheitlich geschädigte Leute. Da reden Sie von Ferienwohnungen? Wissen Sie denn nicht, dass der Senat dagegen steuert und eigentlich unterbinden möchte, dass jetzt frei werdende Wohnungen als Ferienwohnungen jetzt benutzt werden, oder umgewandelt werden? Und da sagte er dann nur noch: Na ja, es ist nur ein Gedanke, aber wir müssen ja irgendwie sehen, dass wir jetzt diese Situation, in der wir uns jetzt befinden, wieder so her bekommen, dass es wieder einigermaßen verträglich sein wird, oder verträglich sein kann. Und ich bin vollkommen entsetzt darüber, dass das letztendlich diese Wohnungen auch so entfremdet werden. Er hat ja damals auch die Mittel dafür bekommen, diese Wohnungen altersgerecht zu errichten. Die sind ja alle altersgerecht hergestellt. Und dann die vollkommen zu entweihen und jetzt, egal ob jetzt Bedarf da ist, oder nicht – drüber hinweg geguckt, und gesagt: Das ist lukrativer und das werden wir eben so machen. Auf die Frage hin: Wie stellen Sie sich das vor? Ältere Leute, kranke Leute, Feriengäste in diesen Wohnungen – 10, 4, 5 Leute in einem Raum – dieses Miteinander ist ja vollkommen gestört dann. Das ist doch nicht normal, oder nicht nachzuvollziehen, was Sie für einen Gedanken da hegen oder pflegen.

Hella Mienert – Warum erst jetzt? Play

Und ich wollte dazu sagen – der Herr sagte ja eben alles – 2003 hat er laut und deutlich angesagt, und am 19. Juni (2012) war die erste Versammlung für uns Mieter, und da habe ich gesprochen – kam er mit Mikrofon – habe gesagt: Warum wird das erst heute hier so populär für alle Mieter? Das ist ja ein schreck, sag ich, in der Abendstunde. Da konnten sie gar nichts sagen. Die waren ruhig, Mienert verwundert der ging weg mit dem Lautsprecher und das wars.

 

Was glauben Sie, ist bei der Privatisierung vieler Gebäude schief gelaufen?

 

Karl-Heinz Volck – Privatisierung ist das Allheilmittel dieser Gesellschaft! Play

Das ist eine etwas merkwürdige Frage, denn: Privatisierung ist das Allheilmittel in dieser Gesellschaftsordnung um die Gesellschaft zum Ausbeutungsobjekt machen zu können. Der Unterschied ist nur der. Manche Leute in der Politik begreifen das gar nicht, sondern sagen Herr Volck baut sich in seinem Rollstuhl auf : Privatisierung, dass sind Investoren, die stecken ihr Geld in unsere Stadt und schaffen damit Prosperität und bedenken gar nicht, dass das Geld, was da in unsere Stadt kommt, Herr Volck fängt stark an zu zittern unter anderem auch Mafia-Geld ist, die durch die Privatisierung, den Erwerb von Häusern, zum Beispiel ihre Mafia-Gelder waschen. Und es ist auch so, dass diejenigen, die mehr Geld haben, als sie zum leben brauchen, natürlich immer auf der Suche sind, wie können sie ihr Geld anlegen und dadurch mehr bekommen? Die sind über jedes Objekt dankbar, wo sie ihr Geld sicher anlegen können. Und Berlin ist inzwischen die Fluchtburg für dieses Geld, was gewaschen werden muss. Und da macht der Senat mit denen gemeinsame Sache. Herr Volck ringt nach Luft Es wäre nämlich ein ganz einfaches, dass der Senat sagt: Jede größere Investition muss mir gemeldet werden, und wenn ein Ausländer investiert, dann melden wir es seinem Ursprungsland, dass er bei uns so und so viele Millionen anlegt. Hat der denn seine Steuern bezahlt? Und dann kann seine Heimatregierung mal [...] Herr Volck verschluckt sich an seinen letzten Worten Aber, da ist die Solidarität “der Großen” und Reichen untereinander – dazu zählt auch die Regierung – viel zu eng.

 

Joachim Konieczny – Kulti Multi Play

Ich denke, der Grundgedanke dieser Privatisierung war ja eigentlich tatsächlich, die Stadt als solche Weltoffener zu machen, empfänglicher zu machen, international anerkennbarer machen, und so dass man nach außen mehr Spielraum hat und mehr Möglichkeiten zum Schluss hier in dieser Richtung sich präsentieren zu können. Dabei hat man vergessen: Den Mensch selbst, der hier wohnt. Man hat ja überall proklamiert “kulti multi” und wir sind weltoffen und jeder kann bei uns rein und kann werden was er möchte, wenn er sich nur an Gesetz und Ordnung hält. Und die Wohnungen, die jetzt in der Substanz vorhanden sind, die waren “recht und schlecht” waren die auch in Ordnung. Aber ich kann nicht immer mir in meine eigene Wohnung so viele rein holen, bis die Tür nicht mehr zu geht. Also ich muss doch auch zusehen, dass das Gleichgewicht erhalten bleibt. Also, ich kann jetzt nicht Neubauten schaffen, ohne dabei an die eigenen Einwohner zu denken, dass die auch selbst verträglich wohnen können und wohnen bleiben möchten. Sehen wir uns den Prenzlauer Berg an. Sehen wir uns Mitte an. Wo viele zugezogen sind, von anderen Bundesländern, aus dem Ausland und auch dort die Mieter in diesem Sinne eigentlich verdrängt wurden, aus ihren Wohnungen. Mieterhöhungen ins Haus gekommen sind, die sie nicht mehr tragen konnten und jetzt auch mit den Umzugswagen raus sind, weg sind. Ja, und der Vermieter, der Eigentümer, auch der Senat hat das ja so gewollt. Er das ja eigentlich fossiert, indem er gesagt hat, ja, klar, kommt zu uns. Wie schon erwähnt, ihr bringt das Geld hier rein, das brauchen wir, wir sind nur “Nehmer-Bundesland”, ja? Und da ist jeder willkommen, der auch Geld hier rein bringt. Und dabei ist die andere soziale Schiene vollkommen weggebrochen. Da hat man, nach meinem Empfinden, vollkommen aufgehört zu denken. Ein “Nein!” aus Herrn Volcks Richtung

 

Karl-Heinz Volck – Die Alten verfressen die Zukunft der Jugend… Play

Man hat nicht aufgehört zu denken, sondern man hat ein Klima geschaffen, dass da lautet: Die Alten verfressen die Zukunft der Jugend und deshalb müssen die Alten weg Frau Mienert stimmt zu , sich einschränken, die dürfen nicht die Zukunft der jungen Menschen verfressen. Und dieses allgemeine Klima, von der FDP voran gebracht, hat dazu geführt, dass allmehlig ein Klima insgesamt entstanden ist, wo man die Alten nicht mehr so ernst nimmt. Aber, MAN WIRD DIE NOCH KENNEN LERNEN KÖNNEN, DENN DIE ALTEN HABEN NOCH EIN WAHLRECHT. Wie lange? Weiß ich nicht.

 

Hella Mienert – Wir haben Berlin aufgebaut! Play

Es ist vielleicht weit her getrieben, aber, ich bin ja 75 Jahre, und wir waren sogar im Aufbau, in meiner Lehre, als “Steinklopfer Mädchen”, ganz jung! Mit 14 Jahren sind wir aus der Schule gekommen. Wir haben die Karl-Marx Allee, frühere Stalin Allee, mit aufgebaut und so im allgemeinen haben wir Berlin verbessert. Und wenn man dann heute sieht, dass man sein Leben lang gearbeitet hat, ja? Und dann diese Rente bekommt – nicht nur ich, viele andere auch – da ist das doch so traurig! Die Gehälter werden bei den höheren so erhöht. Die Diäten, die kriegen in die tausende und ich weiß nicht wie viel. Da kann man ja nur weinen wenn man die Zeitung aufschlägt, ja? Und unsereins speisen sie hier ab, dass man gerade so noch, zum Leben… Na ja, ich kann mir keine Wurst, kein Fleisch, kein gar nichts holen – ist ja auch egal, habe ich mich dran gewöhnt. Aber ich will bloß sagen, dass ist doch mehr wie traurig. Und ich hatte das der Rentenstelle mal durchgerufen. Ich sage, wissen Sie, da kriegen ja ihre Hartz 4 Leute mehr wie ich. Die bekommen die ganze Miete, die bekommen ihr Hartz 4 Geld und gehen dann noch arbeiten – und noch schnorren auf der Straße. Sagt sie, ja, tut mir Leid, dass sie aus dem Osten berentet sind, sagt sie, das weiß sie, dass es viele trifft, aber es ist wirklich die Wahrheit wie ich denke.

 

Was befürchten Sie für die Zukunft?

 

Joachim Konieczny – Abwarten hilft nicht! Play

Also für mich persönlich steht ja die Frage im Haus, dass ich mich umgucken muss für eine neue Wohnung. Für mich sozial, finanziell verträglich. Es ist mit viel Arbeit verbunden. Man hat ja mehr zu tun, als sich nur um einen neuen Wohnraum zu kümmern. Meine persönliche Sache, dass ich jeden Tag im Internet gucke [...] und sobald sich was anbietet, was für mich, für die Zukunft verträglich ist, dann werde ich dementsprechend handeln. Abzuwarten, bis ich die Mieterhöhung im Kasten habe – ich denke, das ist vertane Zeit.

 

Hella Mienert – Alles ist dermaßen teuer! Play

Also, ich war auch schon rum gucken. Aber, die Wohnungen sind ja dermaßen teuer und behindertengerecht gibt es schwer, ja? Und ich hatte unten, wo ich hier 2002 einzog, musste ich meine Steckdose selbst bezahlen, eine verschließbare, und da hatte ich 389 Mark abgezahlt. Da habe ich zu dem Elektriker gesagt, ich kann das nicht. – Warum nicht? – Na, hat er gesagt, zahlen Sie in kleinen Raten ab. Diesbezüglich betrifft mich ja wieder mit der neuen Wohnung. Wo lade ich meinen Wagen? Den muss ich ja jeden Tag laden. Weil ich den ja brauch! Und wie soll ich das machen? Hinzu kommt die Kaution! Die Sie alle verlangen!

 

Karl-Heinz Volck – Gammelimmobilien werden für sozial Schwache aufbereitet. Play

Also, die Rentner werden keinen nassen Kopf bekommen. Es wird für jeden Rentner eine Unterkunft geschaffen die Frage ist nur wie? Hier in der Straße, Pariser Kummunen, da stand jahrelang ein ganzer Häuserblock leer und vergammelte. Der wird jetzt provisorisch hergerichtet und damit wird Mietraum geschaffen, für die alten Menschen, damit sie keinen nassen Kopf bekommen Herr Volck ringt nach Luft. Das heißt, die ganzen Schrottimmobilien werden jetzt notdürftig hergerichtet, damit die Menschen nicht auf der Straße sitzen und demonstrieren. So wird das eben sein.

 

Hella Mienert – Man kann sich da nicht drehen! Play

Herr Volck, da habe ich was ganz Offizielles zu sagen bitte, Fräulein. Und zwar kenne ich diese Neubauten, weil ich ja lange in der Pflege war. Und diese Häuser, möchte ich Ihnen sagen – ich war in den Wohnungen drin -, sind 24,5 Quadrat. Also, man kann sich nicht drehen. Wenn Sie rein kommen ist gleich die Toilette – über die fallen Sie schon – ne ganz kleine Dusche – sie sehen ja, ich bin ne Stramme – also, ich würde mir auch überall Beulen holen. In der Küche, da können Sie sich auch nicht drehen, da sind drei Teile dran. Und die Stube ist – vielleicht – 12 bis 13 Quadrat. Können Sie 3 Möbel hinstellen, einen Sessel – vielleicht – na ja, und dann sind Sie eingeängt. Dann ist ein Balkon da, an jeder Wohnung, aber der ist so schmal, dass noch nicht einmal ein Wäschetrockner hin passt. Jetzt sage ich Ihnen die Miete, weil ich da welche hin gebracht habe und geh die besuchen. 335 Mark Miete, für 24 Quadrat und 5. Das ist ein riesen Haus, haben sie von außen neu verputzt, sieht auch schön aus, sind auch Pförtner drin – alles klar. Aber bei den Pförtnern müssen Sie nicht denken, dass die aufpassen, wo geht denn die hin? Ach! Da kann ich in allen Wohnungen rum rennen. [...] Entweder schlafen die da vorne – ja ist wirklich wahr! – Die haben eine Liege, Fernsehn sollen sie ja auch gucken, aber den Rentnern, UNS ALTEN SO EIN LOCH ZU VERMIETEN, das finde ich eine Frechheit sonder gleichen. Muss ich Ihnen sagen. Und da zieh ich nicht hin!