Suizid als einzigen Ausweg?

Joachim Konieczny – Viele sind der Überlegung sich etwas antun zu wollen Play

Das Erwarten der Hilfe von Außen wird nicht ausreichen. Einfach darauf zu warten das da uns was in die Hand gegeben wird, sondern, ich denke, dass bei vielen Mietern aus unseren Häusern die Frage im Raum steht betreffs dieser Härtefallregelung. Dass viele jetzt sich darüber Gedanken machen müssen auf Grund ihrer jetzigen sozialen und finanziellen Lage, jetzt diesen Schritt machen zu müssen. Aus der Not heraus, überhaupt jetzt hier wohnen bleiben zu können, indem sie den Mietzuschuss beantragen, oder eben sich eine andere Wohnung zu suchen, und trotzdem diese Härtefallregelung mit in Anspruch nehmen müssen. Also, sämtliche Möglichkeiten suchen müssen um hier irgendwo Mittel zu bekommen, die denen hilft weiter verträglich wohnen und leben zu können. Das ist ja nicht nur das wohnen, sondern das ganze Leben, das ganze Dasein hängt ja davon ab. Wenn ich das jetzt richtig gehört habe, sind viele in der Überlegung sich auch was antun zu wollen. Zustimmende Worte aus dem Hintergrund von Frau Mienert “Ja. Das stimmt”. Erstmal, der Gesundheitszustand wird ja dadurch nicht besser, durch solche psychische Belastung – enorme, hohe Belastung – und viele sagen dann: “Ja, wenn es dann nicht anders geht, dann muss ich eben die Konsequenzen für mich ganz persönlich tragen.” Egal, was derjenige damit meint oder nicht meint. Ich denke, warten auf das was kommt, das reicht nicht aus. Da muss jeder selbst sehen, so schnell wie möglich, irgendwie was zu bekommen, dass er auch ordentlich – würdevoll – weiter leben kann.

 

Hella Mienert – Mein Nachbar will vom Balkon springen! Play

Ja. Dazu könnte ich auch was sagen. Hella Mienert ist aufgeregt. Und zwar, ich habe einen Nachbarn am Balkon. Und wenn ich dort Wäsche aufhänge, dann ist er auf dem Balkon. Und da hat er dann auch zu mir gesagt, wie ich das finde? Und da sag ich, na, schlimm. Und da sagt er, demnächst, sagt er, es wird so kommen, sagt er, und dann seh ich ihn von 5 Treppen – ich wohne 5 Treppen – sagt er, da springt er aus dem Fenster, sagt er, er weiß nichts weiter und er weiß auch andere, die Tabletten wollen nehmen. Und da sag ich, oh Gott. Mach das bitte, bitte, bitte nicht, sag ich. Das Leben geht irgendwo weiter. IRGENDWO! Ich sage, glaube mir das, glaube mir das, sag ich. Wir beten zum lieben Gott – ich bin zwar nicht fromm, aber ich mach das dann so, ja? Und da sag ich, ich bete auch für dich, sag ich und dass du nicht da runter springst. Bitte tu mir den Gefallen. Aber immer wieder, wenn ich auf den Balkon komm, sagt er dann zu mir, nein!, ich bin fest entschlossen, und mache das. Habe jemanden in meinem Haus das erzählt, da sagt sie, ja, bei mir heult er sich auch bloß aus und er will wirklich runter hopsen. Und das ist doch traurig, oder?

 

Karl-Heinz Volck – Besser die Todes-Spritze in der Schweiz Play

Na ja, da gibt’s ja auch eine Alternative. Erstens: Balkonspringen ist unästhetisch. Und man ist nie sicher, dass man nicht einen anderen schädigt. Herr Volk beginnt zu beben. Seine rechte Hand zittert stark. Seine Gesichtszüge entgleisen ihm. Nein! Die Forderung muss dann lauten: Einen würdigen Tot! Und der Senat soll die Reise in die Schweiz zur Firma Dignitas, wo man sich dann selbst töten kann, bezahlen. Zustimmung aus dem Hintergrund von Frau Mienert. Dass wäre eine echte Forderung, zu sagen: Senat, wir hauen ab, wie du das willst! Aber übernimm bitte die Reisekosten.

 

Hella Mienert – Dann kriegst du ne Plastiktüte über’n Kopf Play

Dazu kann ich auch was sagen Herr Volck. Mein Enkelsohn, der studiert in der Schweiz. [...] Mein Sepp ist jetzt 10 Jahre in der Schweiz, hat seinen Doktor jetzt fertig und der hat dann gesagt: auf Grund meiner Krankheit – Schreibt er dann manchmal, Omichen wie geht’s dir denn? Davon hab ich auch nicht viel. – Und sagt dann, Oma, wenn’s soweit ist mit dir, dann kommst du bei mir zur Schweiz, sagt er, kriegst du eine Plastiktüte übern Kopf Gemurmel aus dem Hintergrund – haben die wirklich gesagt! Ja, ich sag ja nur. Junger Bengel. 30 Jahre. – Und Oma, hast du einen schnellen Tot, brauchst du dich nicht quälen. Na, und irgendwie fand ich es sehr traurig von ihm, aber irgendwie – hat er gesagt – hast du nicht das Recht, dass du dich so lange quälst. Warst immer so fleißig [...], Trepp auf, Trepp ab. Hast geheizt, wir mussten ja noch im Osten heizen, nech? Und Kohlen, und habe ich ja 27 Pfennig für bekommen, ne? Und 1,98 die erste Zeit und nachher 2,98. Darum das wenige Gehalt. Jedenfalls hat er mich damit getröstet: Lass mal Oma, das geht seinen Gang! Der Junge holt das schon. Mienert spricht zu Volck. “So, bitte verzeihen Sie, dass ich’s so sage. Aber hat er gesagt.” Herr Volck bekommt das erste Wort nicht richtig raus. Er ist immer noch am ganzen Körper am beben. Er versucht seine Aufregung mit einem kleinen Lächeln im Gesicht zu überspielen. 

 

Karl-Heinz Volck – Plastiktüte? Ist unangenehm und dauert zu lang! Play

Frau Mienert spricht in ihrer Aufregung immer dazwischen. Mit der Plastiktüte, das machen Sie nicht! Mienert: “Mach ich ja auch nicht!” Ich hab das selber probiert, das ist ausgesprochen unangenehm und dauert sehr lange. Wenn, dann sollten Sie sich von einem Arzt ein Mittel verschreiben lassen, dass schnell wirkt und sicher ist. Und das machen die in der Schweiz. Der Senat muss nur die Reisekosten von ungefähr 5000€ übernehmen, weil wir das Geld nicht haben. Aber er hat dann wenigstens freie, gute Wohnungen.