Grundproblematik

Joachim Konieczny - Das ist meine Geschichte Play

Ja, also ich bin also 58 Jahre, eigentlich jetzt der jüngste hier in dieser Runde und ich bin deswegen jetzt hier in dieser Wohnung weil ich aus gesundheitlichen Gründen hierher gezogen bin, oder hier her ziehen musste, weil ich vorher in einer ganz normalen Mietwohnung gewohnt habe, mit Ofenheizung, Altbau und auf Grund meiner Erkrankung und der Diagnose, hat man mir dann geraten, mir ne Wohnung zu suchen, die behindertengerecht, barrierefrei ist und meinem jetzigen Gesundheitszustand gut tut. Für die Zukunft auch, ja. Dabei zu berücksichtigen, die Wege, das davonkommen, sich zu bewegen, zu den erforderlichen Ärzten, oder zu gesundheitlichen Einrichtungen und auch gleich zu gucken, wie die Verkehrsanbindung ist. Sodass ich dann nicht die nächsten Jahre, oder nächste Jahr, wieder umziehen muss und ne andere Wohnung schon wieder suchen muss. Und damals bin ich hier hingezogen, mit dem Wissen auch, dass die Wohnung sozial gefördert ist, dass es eine Staffelmiete sein wird, und auch in dem Mietvertrag steht ja auch drin, dass pro Jahr um 13 Cent der Quadratmeter teurer wird. Aber, jetzt seit Juni und seit der Versammlung mit dem Eigentümer, wo man uns ja darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass es jetzt die Anschlussförderung jetzt selbst nicht mehr, oder Deckeln kann, oder die Streichung durch den Senat er selbst es nicht mehr schafft, die Unkosten selbst zu tragen. Und somit er uns darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass er eben die Erhöhung dann vornehmen muss, von ca. 6€ pro Quadratmeter jetzt, auf eventuell 12€ pro Quadratmeter erhöhen muss oder möchte. Und es ist natürlich für mich jetzt auch nicht sozial verträglich und, für mich persönlich, finanziell nicht machbar. Und somit ist meine Überlegung jetzt ernsthaft, mich wieder nach einer anderen Wohnung umsehen zu müssen, die wiederum behindertengerecht sein muss, aufgrund meiner Erkrankung. Das was ich bis jetzt schon recherchiert habe, sieht nicht gerade so aus, als wenn ich in den nächsten Wochen, eventuell Monaten, wieder diese, oder so eine Wohnung finde, wie die ich gerade 2008 bezogen habe.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man aus seinem sozialen Umfeld “raus gerissen wird”?

Also, für mich selbst würd ich sagen, ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Weil, man hat ja, schon auf Grund der gestellten Diagnose mit sich schon genug zu tun gehabt und genug Probleme noch bekommen. Und jetzt hat man mit Müh und Glück diese Wohnung auch gefunden, und sich dementsprechend auch niedergelassen und eingerichtet, mit dem Gedanken, es bleibt so, es geht so und man wird auch dementsprechend hier alt. Für mich ist es einfach unfassbar, diese Entwicklung, und, ich kann nur sagen, herzlich willkommen im Club! Wie viele andere jetzt, hunderttausende von Berlinern, die das selbe Schicksal ereilt. Jetzt kann man nur hoffen, dass jeder für sich, oder ich für mich, eine passable Lösung finden werd. Die für mich in der Zukunft wieder einen Lichtblick erkennen lässt. Im Moment ist nur Überlegen, grübeln, neu sortieren, organisieren und viel viel Aktivität und Bewegung und Gespräche führen, mit Familie, mit Freunden, mit Bekannten, die einen auch dann helfen. Um in dieser jetzigen Situation wider Fuß fassen zu können. Ich habe alle meine Bekannten und Verwandten darum gebeten, sie möchten doch mal mit gucken, wo sie eventuell gemeinsam mit mir eine gleichwertige Wohnung finden. Und vor allen Dingen: eine bezahlbare, auf langer Zeit bezahlbare, ja? Das ist das Wichtigste, was mir auch Kopfschmerzen bereitet zur Zeit.

 

Hella Mienert – Ich hatte vorgeschlagen, ein Schild malen! Play

Ich wollte viel gleiches sprechen, was Herr Konieczny gesagt hat. Ich bin 75 Jahre, werde 76, bin hier 2002 ein gezoge. Hatte in einer größeren Wohnung gewohnt, mit meinem Mann. Habe mich mit meinem Mann getrennt, bin durch Krankheit hier in diese Wohnung gekommen, worauf ich mich gefreut hab, dass ich könnte diese Wohnung vielleicht bis zum Lebensende, so lange wie man lebt, hier wohnen können. Die Wohnungen sind im Allgemeinen sehr schön, sehr ruhig. Und man hat auch einen Balkon, wo man sich hinsetzen kann, weil man nicht so viel laufen mehr kann und runter gehen kann. Da ich einen Rollstuhl habe schon 19 Jahre und die Miete, also, ich muss sagen, wo der neue Eigentümer gesprochen hat, dass hat einen einfach, wenn man’s auf deutsch sagt, vom Stuhl gehauen. Ich möchte dazu sagen, ich habe immer gearbeitet, bis zur Berentung, und bekomme eine Rente, ich weiß nicht ob ich’s sagen darf, 405€. Ich war im Pflegedienst und wir hatten nur 400 DM bekommen. Da ich ja sehr alt bin, und da hatten wir DM bekommen. Und dann hatte ich mich gefreut, aber als ich hier einzog, musste ich gleich die Kaution von 960 Mark bezahlen. Dort die Wohnung – mein Mann hat eine andere – und hier die Wohnung. Und da war ich natürlich mächtig erschrocken schon, über die hohen Preise. Habe aber eine Tochter gehabt, die Schriftstellerin ist, die hat dann gesagt: Mutti weine nicht, ich helfe dir etwas, aber du musst es in kleinen Raten zurück zahlen. Sonst wäre ich hier nicht rein gekommen. Bin natürlich sehr, sehr traurig über das Höhenmaß von 12€ bis 10€. Die haben ja angesagt, wer über 70 ist, könnte auf 10€ gehen, aber das betrifft mich genauso wie 12€. Aber ich denke in dem Moment nicht nur an mich, sondern an alle 150 Mieter des Hauses. Was mir natürlich sehr, sehr Leid tut. Ich habe aber leider keine Hilfe, von keiner Seite aus. Betrifft mich genauso. Und ich steh sozusagen ganz alleine. Und in einer neuen Wohnung hat schon jemand für mich angerufen, und die wollen alle Kaution haben. Mehr als 1000 Mark. Und unter 600, 700 Mark ist gar keine Wohnung mehr zu bekommen, Nun mach ich mir natürlich große Gedanken, wie das könnte weiter gehen. Und über den Herrn Konieczny, der ist sehr nett, da kann ich Fragen stellen, und Herr Konieczny sagt mir dann hier und das, könnt ich irgendwie dann etwas besser machen. Und Herrn Volck habe ich nicht gekannt, weil er im anderen Haus wohnt, wir können uns ja auch nicht alle kennen, aber wenn man jetzt auf die Straße geht, Mieter, die mit uns nicht gesprochen haben – ich meine mich jetzt – die sind an einem vorbei gerannt, die wussten gar nicht wer man ist und wenn man jetzt knapp aus’m Haus ist, da steh’n gleich dreie, viere zusammen und jeder schimpft über die hohe Miete. Aber machen tut keiner was!

Ich hatte vorgeschlagen: ein Schild malen, eine kleine Demo machen. Herr Konieczny hat gesagt, wir brauchen ja nicht weit gehen – einmal um die Ecke rum – und ich würde vorne angehen, traut ich mich. Aber wenn Herr Konieczny bloß kommt und ich und vielleicht Herr Volck? Na wat woll’n wir dreie machen? Die lachen uns doch aus, auf der Straße!

Und ich finde, wir müssen irgendwie, wir müssen nicht nur reden, wir müssen auch Taten machen! Und mir sind aber leider die Hände gebunden, da ich eben schon 19 Jahre im Rollstuhl sitze, die kleine Rente habe – ich krieg zwar die Stufe eins – aber es sind 235 Mark, das ist auch nicht viel, aber ich bekomme vom Amt etwas zu. Habe jetzt dort nachgefragt, auf dem Amt, telefonisch: Wie ist das, von unseren Mieten, gehen die auf 12 Mark? Da sagte die Dame, vom Sozialamt: Oh nein! Sagte se, wir wissen gar nicht’s von. Und da bekommen Sie nicht mehr. Dann müssen Sie sich eben um eine neue Wohnung bewerben. Na, und weniger wie 2 Zimmer möcht ich ja auch nicht haben. Denn, ich bin hier im Haus sehr zufrieden, sind auch alles nette Mieter, bloß was jetzt, was ich gehört habe, neu, wenn wir aus die Wohnung gehen, müssen wir wohl die Wohnung malern. Da haben wir schon ein Schriftstück drüber. Zum Beispiel ich bin ganz alleinstehend, schon so alt, und man sollte die Wohnung hier renovieren. Auch was in der Wohnung passiert, wenn was kaputt ist, müssen wir selbst bezahlen. Ich frage mich: Von was? Und wie? Irgendwie möchte ich ja auch noch ein bisschen leben, ein bisschen essen. Bin auch ganz stark Zuckerkrank, muss mich 4 Mal spritzen, was überhaupt gar keinen interessiert. Und Diabetiker Sachen ja sehr, sehr teuer.

 

Was ist das für ein Schriftstück, was die Mieter in der Palisadenstraße erhalten haben?

 

Joachim Konieczny – Wir sollen bis in’s kleinste Detail Auskunft geben! Play

Es handelt sich um diesen Fragebogen, der mit ins Spiel gekommen ist mit der Versammlung vom 19.06.2012, wo der Sohn des Eigentümers dort vorgesprochen hat und hat in diesem Zusammenhang diesen Fragebogen ins Gespräch gebracht, wonach wir uns freiwillig dazu erklären könnten den auszufüllen, mit dem Ziel, seitens des Vermieters, dass er, darauf aufbauend, der Ergebnisse dessen, was drinne steht, er angeblich mit den anderen Verbündeten, oder mit den Leuten, die er noch sucht und mit ins Boot nehmen will, rauszufinden, die Verträglichkeit jedes einzelnen, was zum Ziel haben könnte, dass jener Mieter drinne bleiben kann, auf Grund der Ergebnisse dessen, was da nieder geschrieben wurde. Und der Vermieter dem Mieter dann helfen müsste, oder könnte, oder wollte, eine Härtefallregelung zu finden, betreffs der Unterstützung der Umzugskosten, beziehungsweise der Reduzierung, der Antragstellung auf Mietzuschuss durch andere Institutionen. Für mich war eigentlich erschreckend, als ich diesen Fragebogen durchgelesen habe, dass gefragt wird nach dem Alter, wie viele in der Wohnung leben, welche Einkünfte der Mieter hat, welche Nebeneinkünfte der Mieter hat, welche gesundheitlichen Gebrechen der Mieter hat, welche Pflegestufe und, wie weit er bereit wäre, wenn die Mieterhöhung kommt, wie viel er noch zahlen könnte, oder zusätzlich an Miete noch dazu bei tragen kann. Also, was ich gehört habe, gibt’s sogar schon Mieter, die sich bereit erklärt haben bis 50€ mehr zu zahlen, mit der neuen Mietfestsetzung, oder sogar noch mehr bereit sind zu bezahlen. Und, ich selbst kann es nicht, weil ich selbst auch Wohngeldzuschuss bekomme, und habe ebenfalls auf Grund meiner Erkrankung auch die Pflegestufe 1. Und sitze auch teilweise im Rollstuhl. Und für mich ist es nicht möglich und beschämend ist es eigentlich, von den älteren Mietern wirklich bis ins kleinste Detail erfahren zu wollen, was sie haben, was sie noch leisten könnten, was sie noch erbringen könnten und zum Schluss doch keine Rücksicht darauf genommen wird, ob sie jetzt bleiben können, oder nicht bleiben können. Vor allen dingen sind es wirklich sehr intime, private Angaben und zum Schluss weiß man ja auch gar nicht, wo die überhaupt hin gehen. Man soll sich auch bereit erklären, dass diese Angaben dann auch weiter verwertet werden, in irgend einem anderen Gremium, die zur  Auswertung des sozialen Spiegels in diesen 6 Häusern. Ich denke, es wird alles andere damit gemacht, letztendlich als dass es uns zu Nutze sein wird. Ich weiß nicht, wie er sich das gedacht hat. Einige Mieter haben sich schon bereit erklärt den Bogen auszufüllen, haben ihn schon ausgefüllt, haben auch zurück geschickt und jetzt warten sie auf das Ergebnis dessen, was der Vermieter nun jetzt in den Kasten bringt. Ich selbst habe Abstand davon genommen. Ich würde mir dieser unredlichen Sache nicht hingeben. Und habe da überhaupt keine Veranlassung mich da so weit aus dem Fenster zu lehnen, wo er auch gar nicht berechtigt ist, diese Sachen abzufragen.

 

Wurden Ihnen Alternativen angeboten?

 

Joachim Konieczny – Die Umzugskosten werden vielleicht übernommen Play

Für mich alleine habe ich es eigentlich nicht raus gehört, dass mir noch andere Alternativen geboten wurden. Also, mir wurde wie gesagt, dieser Fragebogen empfohlen, füllen Sie diesen aus, geben sie den ab und wir schauen dann mal drüber. Und wir reden dann mit den Partnern, die wir noch in’s Boot holen wollen und werden sehen was sich daraus ergibt. Es steht zwar mit drinne, dass der Verwalter einen dann helfen möchte, wenn es darum geht andere Fragebögen ausfüllen zu müssen, betreffs dieser Härtefallregelung, oder Antragstellung von zusätzlichem Wohngeld, das war die einzige Alternative, und sich zu kümmern als Vermieter, wenn man sich persönlich entschließt, wenn man es nicht mehr tragen kann, sozial und finanziell nicht mehr tragen kann, ausziehen muss, dass er sich bereit erklärt hat, die Umzugskosten vielleicht zu übernehmen. Das sind, aus meiner Sicht, seine Alternativen, die er uns geboten hat. Aber so, dass er von sich aus sagt, ich lass mir was anderes einfallen und “das geht hier gar nicht”, das habe ich eigentlich nicht raus gehört. Und aus diesem Fragebogen ist es auch nicht ersichtlich, dass da noch irgendwas anderes kommt, oder kommen könnte.

 

Hella Mienert – Ich bekomme keine richtige Auskunft Play

Ich hatte da noch n paar mal angerufen, da war ein Rechtsanwalt bei, und da war der Vermieter auch und er sagte, er wäre telefonisch immer am Telefon. Ich habe zich Mal schon angerufen und niemand, und niemals geht einer ran. Sagte dann, ich hörte, andere haben einen Bogen, und müssen einen Fragebogen ausfüllen, ich bin Frau Mienert, sag ich, und ich hab überhaupt nichts bekommen. Warum das so is. Und dann kam mal jemand ans Telefon, es war aber nicht der Vermieter, jemand auch hier von der Hausverwaltung, und der sagte: ja, ja, morgen haben sie ihn drinne. Hat er abgewedelt und hat das Telefon aufgelegt. Was ich ja überhaupt nicht in Ordnung finde. Das geht doch so nicht weiter, was die mit uns machen! Stellen Sie sich mal vor: Kurz vor Weihnachten, wo alle das Fest des Friedens feiern, nech, “wollen”, da sacken wir hier einer nach dem anderen zusammen, ja? Also ich möchte sagen, das ist ein Unding! Ich möchte nicht damit prahlen, aber ich bin schwer Herzkrank, habe schon drei Schlaganfälle, habe noch vieles, vieles mehr. Liege 15 Jahre unter einem Sauerstoffgerät, wat einen sowieso behindert, jede nacht, und dann denk ich nur noch, “na wann kommen die nun und schmeißen uns hier raus”? Ist doch grausam! Und dann, außer Herrn Konieczny, den ich kann fragen, hat man keinen, der einen ein bisschen Mut zuspricht. Meine Freundin hatte ich, aber da ich ja so alt bin, sind 3 gestorben, ich hab leider auch viele Brüder, die alle tot sind, aber det gehört hier nicht hin. Aber ich habe niemanden.

 

Karl-Heinz Volck – Vermieter und Mieter eine Einheit? Play

In der Versammlung zwischen Vermieter und Mieter, hat ein Mieter gefordert, den Fragebogen doch vorher zu verteilen, bevor die einzelnen Mieter in Einzelgesprächen befragt werden. Hat er strikt abgelehnt! Er wollte auf alle fälle nur eins erreichen: Es sollte der Eindruck entstehen, dass er als Vermieter und wir als Mieter eine Einheit bilden gegen den Senat. Und dazu sollte alles verhindert werden, dass die Mieter zur Selbstorganisation kommen. Herr Volck lächelt Dieses Gestotter von mir, ist die folge eines Schlaganfalls. Ich hatte mal ne bessere Stimme

Fühlen Sie sich alleine gelassen?

Ja, die erste Versammlung, die von uns kam, die hat ein einzelner Mieter organisiert, da wo der Herr Konieczny dabei war, da waren erstmalig selbst organisiert über, ne ungefähr 100 Mieter anwesend und ein Rechtsanwalt hat den Mietern kostenlos Rede und Antwort gestanden. Herr Volck ringt nach Luft. Das Reden fällt ihm sichtlich schwer. Aber er lässt sich nicht zurück nehmen. Das war die erste Organisation. Und der zweite Akt war: Wir haben über diese Versammlung dann ein Flugblatt gemacht “Die Palisade”, wir wohnen ja in der Palisadenstraße, das war die Nächste und was wir jetzt machen, ist die dritte Aktion, nämlich Öffentlichkeit herzustellen. Das ist das Wichtigste jetzt. Und da die Bundestagswahlen vor der Türe stehen, bekommen die Politiker auf einmal ein weiches Herz.

 

Joachim Konieczny – Wer kann uns helfen? Play

Also im Ergebnis der Versammlung vom 19.06., als ich dann da raus gegangen bin und so bei mir in meiner Wohnung gesessen habe, das alles noch einmal Revue passieren lassen, ist mir so der Gedanke gekommen “das kann es nicht gewesen sein”. Wir müssen doch irgendwie die Möglichkeit haben noch andere zu bitten uns zu helfen in dieser Situation. Und da hab ich mich dann hin gesetzt, und mal überlegt, wen man denn noch ansprechen könnte, und da ist mir der Gedanke gekommen, dass ich, naheliegend für mich, weil es ja auch ein Politikum ist, und weil ich auch gehört habe, dass die Anschlussförderung gestrichen ist durch den Senat, da hab ich gedacht, da kannst du doch vielleicht mal versuchen mit den Parteien in Kontakt zu treten. Am nahesten war mir die Linke, die ja generell zu dieser Geschichte wohl auch ihre Meinung hat und auch Aktivitäten gezeigt hat, da ich mich hingesetzt habe, habe einen Brief geschrieben und als Fax rüber geschickt zur Geschäftsstelle Friedrichshain/Kreuzberg. Da habe ich die Antwort gekriegt “ja, wir wären bereit euch dort zu helfen, euch zu unterstützen.” Wir haben die Möglichkeit euch hier zu empfangen. Wer Interesse hat, der kann zur kostenlosen Sprechstunde kommen, betreffs dieser Mietgeschichte. Daraufhin hab ich dann noch einmal Kontakt aufgenommen und drum gebeten, dass sie vielleicht zu uns kommen können, weil doch überwiegend ältere Leute und behinderte Leute wohnen, die auch schlecht gehen können, ob sie das nicht ermöglichen könnten hier bei uns in unserer Einrichtung der AWO dort einen Termin zu machen und gleichzeitig versuchen einen Rechtsanwalt mitzubringen, der uns vielleicht rechtlich dort vielleicht ein bisschen berät. Und das hat eigentlich geklappt. Das war sehr gut und innerhalb von 3 Wochen ist der neue Termin zustande gekommen und haben sich wieder 100 Mieter eingefunden, sehr interessiert dort mitgehört. Es reicht nicht. Es ist zwar jetzt angeschoben, aber die Öffentlichkeitsarbeit ist noch nicht so hergestellt, dass jeder Mieter für sich sagt “ja ich bin gerne bereit und mach selbstverständlich mit”. Ich selbst habe auch Kontakt aufgenommen mit sozialmieter.de, mit der Plattform und habe vorher im Internet recherchiert, habe mir die Berichte angeguckt, wer noch betroffen ist in Berlin und war eigentlich erschrocken, dass so viele, quer, also der sozialen Struktur quer Beet, von jungen Leuten, von älteren Leuten, von kranken Leuten. Die Internetbeiträge haben mir gezeigt das es, ob jung oder alt, mit Kind, ohne Kind, es geht ja ein Schlag durchs Konto durch ganz Berlin. Wenn ich das richtig gelesen habe, betrifft es ja ca. 28 000 Mietseinheiten. Und das geht nicht, das ist ein Politikum ohne gleichen. Es ist ein sozialer Sprengstoff der sich dort so langsam formiert, in der Hoffnung, dass man damit für jeden etwas positives erreichen wird, letztendlich. Aber jeder für sich alleine wird’s nicht schaffen. Wir müssen uns weiter organisieren und vor allen Dinge  auch die Themen besetzen. Nicht nur schimpfen, sondern auch Vorschläge machen und auch Alternativen unsererseits auch aufzuzeigen, wie weit wir bereit sind mitzugehen und was wir auch machen könnten, leisten könnten. Aber zum Teil handelt es sich in unserem Bereich, in der Palisadenstraße 41-46, überwiegend um ältere Leute und behinderte Leute. Aber es hindert uns nicht daran, die nächste Versammlung zu machen und uns vielleicht noch einmal einen Abgeordneten mit ins Boot zu holen und für mich ist eigentlich das Fragezeichen zur Zeit: Es gibt ne FDP, es gibt ne CDU, es gibt ne CSU… Warum die uns noch nicht eingeladen haben und wie weit sind die damit involviert? Wie können die uns helfen und beraten? Auch die Grünen, möcht ik nicht außen vor lassen.

 

Karl-Heinz Volck – Sarkasmus? Play

Nun darf man das Ganze nicht so schwarz und schwarz sehen. Das hat nämlich einen sehr positiven Aspekt, dass diese Häuser hier frei gemacht werden. Auf diese Art und Weise bekommen wir für unsere Stadt Investoren, die diese freigemachten Häuser kaufen, und dieser Stadt insgesamt ein modernes Aussehen geben. Und die alten Menschen können ja in’s Grüne fahren, vielleicht kann man da wohnen.

 

Hella Mienert – Und das auch noch um’s Weihnachtsfest Play

Ja, na eigentlich bin ich sehr, sehr traurig, was sie mir vielleicht ansehen, aber mir tut die ganze Sache auch sehr, sehr, sehr am Herzen gehn, dat kann man sich ja vorstellen. Und ich habe so die Ahnung, dass wir hier verraten und verkauft sind. [...] Alle sind wa verzweifelt. Wir wissen alle nicht mehr wie’s weiter geht. Und wenn das im Oktober, November, Dezember passiert, na, die rennen sich ja hier alle um! Mit Umzugswagen, mit Wohnung suchen, gibt’s ganz schwer! Und alle mit Kaution bekommt man nicht, ich bekomme auch keine Zuwendung mehr zu meiner kleinen Rente und das wird ja vielen so gehen, und ich weiß nicht mehr wie es weiter gehen soll. Ich bin eben tot traurig, wie alle anderen auch. Ich denke es betrifft viele Leute, die bitter traurig sind und dann auch noch um das große Weihnachtsfest herum.

 

Joachim Konieczny – Die Politik ist gefragt! Play

Also ich denke, diese 28 000 Mieteinheiten, oder Mieter, oder “Wohnungssuchenden”, es sind unterschiedliche soziale Komponenten, die da eine Rolle Spielen. Es trifft viele, die in dieser Richtung aktiv sein müssen, nicht wollen, aber müssen. Und die Frage ist ja eigentlich: Wer ist jetzt an unserer Seite? Wer ist fähig dazu? Wer ist befähigt, wer ist willig auch uns in dieser Situation zu unterstützen und welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es, die jetzt hier greifen könnten, um bestimmte Sachen abwenden zu können oder eben in eine richtige Bahn zu lenken, die dann zum Schluss dann wieder sozial und finanziell verträglich sein könnten. Die 28 000 Mieteinheiten, ich denke es ist nicht auf eimal, es ist nach und nach. Und viele werden auch zum Teil Kredite aufnehmen müssen. Die werden sich verschulden müssen. Um zu sagen: Ich hab gar keine andere Wahl. Ich hab gar keinen mit dem ich jetzt darüber reden kann oder der mir helfen kann, weil ich keinen mehr habe, weil die woanders wohnen, oder weggestorben sind. Ich muss diesen Weg finden und suchen und zusätzlich einen Kredit aufnehmen, in meinem hohen Alter, wenn ich ihn überhaupt bekomme. Das ist ja auch noch ne Frage. [...] Im großen und ganzen bleibt das Problem und hier ist eigentlich die Politik gefragt. Wenn ich das richtig verstanden habe, bräuchte ja nur der Senat, der ja das Gesetz nur verabschieden brauch um jetzt damit Schluss zu machen! Um jetzt zu sagen, ok, die sozial geförderten Wohnungen werden jetzt gedeckelt, es gibt nicht nach oben offen. Mein Unverständnis ist es, dass es hier immer noch nicht realisiert ist. Und warum es immer noch so lange dauert dieses Gesetz in Sack und Tüten zu bringen und dann umzusetzen. Jetzt auch den Druck von den 28 000 und auch von mir, zu nehmen und zu sagen, ok, wir haben hier jetzt ne Lösung gefunden, damit wir auch dann alle mit leben können.