Die Palisade im Winterschlaf

Keiner weiß, was los ist und was sein wird. Ich habe mich gestern Abend mit Herrn Konieczny, Frau Mienert und Herrn Volck getroffen. In der Palisadenstraße – Berlin, Friedrichshain.

Herr Volck war schon auf dem Sprung als ich eintraf. Eine neue Versammlung stand an, bei der er nicht fehlen durfte. Er ist noch ein paar Minuten geblieben um mir gemeinsam mit den Anderen die neue Situation zu schildern.

Im Moment bewegt sich nicht viel. Herr Konieczny beschreibt es als „Winterschlaf“ in dem sich die Mieter im Moment befinden. Da die Mieterhöhung nicht so hoch ausgefallen ist, wie im Juni noch angedroht, fühlen sich viele Mieter in der Palisadenstraße erstmal sicher.

Zu Unrecht!, wird mir von den drei Palisaden Panthern berichtet. Durch die vielen Fernsehberichte zum Thema „Mietwucher“ habe sich in den Köpfen fest gesetzt, dass der Eigentümer die Mieten jetzt erst einmal 2 Jahre nicht mehr erhöhen dürfe. Dem ist aber nicht so! Da es sich um einen sozialen Wohnungsbau handle, gelten andere Regeln, sodass er jederzeit die Miete bis auf die volle Kostenmiete anheben kann. Von Sicherheit kann also keine Rede.

In dem Interview, was ich mit dem Eigentümer Herrn Wolf-Bauwens im Spätsommer 2012 geführt habe, hat er mir von Bedingungen erzählt, die erfüllt werden müssten, damit eine sozial verträgliche Miete zustande käme.

Also, um das Projekt, so wie wir uns das jetzt vorstellen – so auch durchführen zu können – ohne das Risiko auf sich zu nehmen, dass da wieder einer „querschießt“, dafür gibt es jetzt verschiedenen Meilensteine, die wir erreichen müssen. Das Erste ist sicherlich, wie schon besprochen die Umschuldung, also eine deutliche Reduzierung der Last, die auf dieser Immobilie liegt. Das Andere ist dann die Anhebung der Mieten und wir sind uns relativ sicher, dass wir das Mietniveau gefunden haben – aber, man ist ja hinterher immer schlauer. Also die Leute müssen natürlich auch mitziehen und diese […] Mieterhöhung auch mittragen. Dann brauchen wir den Rückhalt der Politik in diesem Fall, dass […] zum einen [..] sicher gestellt ist, dass die Belegungsbindung auch dauerhaft von diesem Gebäude verschwindet. Dass das nicht wieder irgendein Hintertürchen ist, mit dem dann wir wieder in Schwierigeren kommen können. Und natürlich auch diese Freistellung von der Zweckentfremdungsverordnung.
Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann steht das Grundgerüst. Dann muss ich mir natürlich überlegen, oder einen entsprechenden Businessplan schreiben, den ich dann mit einer anderen Bank wahrscheinlich diskutiere,[…] wo ich das Geld dafür herbekommen. Das ist dann [..] die zweite Sache. Also wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann ich tatsächlich anfangen und betriebswirtschaftlich tätig werden, zur Bank gehen und sagen: „Ich brauche 750.000€ auf einer Laufzeit von 7 Jahren“, um hier zu renovieren, zu sanieren und einzurichten und natürlich auch dann das Personal zu bezahlen. Weil das ist ja jetzt anders als ein Rechenmodell, wo man eine Finanzierung durch-kalkuliert. Hier muss ja jetzt wirklich gearbeitet werden. Hier müssen jetzt Leute her, hier müssen Handwerker her… der Vertrieb muss ja organisiert werden, Übergaben müssen gemacht werden an die Leute. Man braucht also mindestens 2,5 Leute vor Ort, fest angestellt, die man auch noch finden muss, die sich den ganzen Tag mit so etwas beschäftigen. Plus natürlich die ganzen Dienstleister, Reinigungsunternehmen etc. pp.

10 der 150 altersgerechten Wohnungen stehen schon leer. Es wurde auch schon begonnen zu renovieren, um das Betriebskonzept der möblierten Wohnungen umzusetzen. Der Deal mit der Bank ist allerdings gescheitert. Das bedeutet: Er müsste die Mieten in den Rentnerwohnungen anheben, um das Objekt weiter finanzieren zu können.
Nach Herrn Konieczny, Frau Mienert und Herrn Volck soll der Eigentümer vom Verkauf der Immobilie überzeugt werden – an jemanden, der sich für die mittelosen Mieter in der Palisadenstraße interessiert und sie unterstützt. Wer das sein wird ist allerdings noch unklar.

Konieczny, Mienert, Volck (v.li.)

Konieczny, Mienert, Volck (v.li.)

 

Herr Konieczny und Frau Mienert haben sich aus dem aktiven Geschehen zurück gezogen. Sie schaffen es Gesundheitlich nicht, dem Druck stand zu halten. Herr Volck bleibt bei der Sache: „Ich habe nicht’s mehr zu verlieren!“ Auf der anstehenden Versammlung soll eine Lösung gefunden werden, den Eigentümer vom Verkauf zu überzeugen.

„Die Mieter müssen wach gerüttelt werden aus ihrem Winterschlaf! Wir müssen handeln!“ Joachim Konieczny

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